K2 Expedition 2009 - Newsletter #9 mit Updates

Liebe Freunde,

 

morgen früh um 6:00 Uhr werde ich zu einem weiteren Versuch am K2 aufbrechen.
Um ganz ehrlich zu sein: ich spüre schon eine gewisse Anspannung die ich ja immer brauche vor meinem Aufbruch, trotzdem ist es diesmal ein wenig anders. David ist nicht mehr mit dabei und Ralf wird nicht im Basislager, sondern zu Hause auf mich warten. Die letzten Tage hier verbrachte ich hauptsächlich mit Essen und Schlafen, nun habe ich das Gefühll, gut erholt zu sein und freue mich auf die nächsten Tage.

 

Einige Leute vom Amerikanischen Team möchten morgen und übermorgen noch ein Stück an der Cesen Route aufsteigen, Fabrizzio entscheidet unterwegs, wie weit er aufsteigen kann und möchte. Mit den Bergsteigern vom Abruzzi Grat werde ich mich, wenn diesmal alles klappt, auf der Schulter treffen, um die letzten 600 Höhenmeter gemeinsam aufzusteigen.

 

Charly hat uns die Prognosen für die nächsten Tage durchgegeben. Es wird ziemlich windig werden, am 04. August aber sollte es mit ca. 40km/h im Gipfelbereich möglich sein. An dieser Stelle tausend Dank Charly, dass du rund um die Uhr für mich und uns da bist!!!!!!!!!

 

Bitte haltete mir noch einmal die Daumen…….

 

Nach meiner Rückkehr im Basislager werde ich mich wieder persönlich bei euch melden. In der Zwischenzeit versuche ich, mit Kathrin im Büro Kontakt zu halten.

 

Ich wünsche euch ein schönes, sonniges Wochenende und möchte euch allen DANKE sagen!
Herzlichst,
Gerlinde

Update 1  |  01. August - 7:00 Uhr  MEZ

Gerade erreicht uns eine ganz kurze Nachricht von Gerlinde. Sie ist heute morgen wie geplant aufgebrochen. Nach etwa 4 Stunden Spurarbeit hat sie alleine das Lager II erreicht. Es geht ihr gut! Für ihren morgigen Aufstieg nach Lager III wünschen wir ihr weniger Wind und gute Bedigungen. Wir melden uns wieder sobald es Neuigkeiten von Gerlinde gibt.

 

Herzliche Grüße vom Daheim-Team

Update 2  |  2. August

Liebe Freunde und Interessenten an Gerlinde’s Newslettern!

Während sich Gerlinde die letzten Tage etwas erholt und letztlich die Entscheidung getroffen hatte, noch einen Versuch auf der Cesen-Route des K2 zu wagen, bin ich mit dem kleinen Team des ORF im Eilschritt über den Gondokoro Pass ins Hushe-Valley zurückmarschiert. Und gestern Abend gut zu Hause gelandet. Und konnte zwischendurch immer wieder mit Gerlinde über Satelliten-Telefon Kontakt halten. Zu letzt heute Mittag.

Gerlinde geht es gut, sie ist heute Vormittag wiederum innerhalb von kaum vier Stunden vom Platz von Lager II (6350 m) zum Platz von Lager III (7250 m) aufgestiegen. Dort hatte sie wenig später nach einiger Schaufelarbeit dieses Mal etwas höher ihr kleines Biwakzelt aufgestellt. Und ist jetzt fleißig am Schneeschmelzen und „Auftanken“. Ein paar Meter weiter in seinem eigenen Zelt befindet sich der Italo-Amerikaner Fabrizio Zangrilli, der sich wiederum Gerlinde angeschlossen hat.

Gerlinde hatte nach ihrem abgebrochenen Gipfelversuch am vergangen Wochenende ihre gesamte Ausrüstung ins Basislager herunter getragen und war somit die letzten beiden Tage wieder mit schwerem Rucksack im Aufstieg.
 
Wie von Charly Gabl angekündigt sei das Wetter gut, fast wolkenfrei – nur im Gipfelbereich bläst zurzeit ein starker Nordwest-Wind, der aber am Dienstag sich laut neuesten Meldungen von Charly bis auf ca. 40 km/h reduzieren soll.

Viel Neuschnee muss es laut Gerlindes Bericht am Telefon nicht gegeben haben, viel Spurarbeit war deshalb bis Lager III glücklicherweise nicht zu leisten. Leider verfrachtet aber der starke NW-Wind große Mengen Schnee, auch im Bereich der Schulter. Hoffentlich nicht zu viel, so dass Gerlinde und Fabrizio morgen gut und sicher ihre beiden Mini-Zelte auf 7950 m, dieses mal wahrscheinlich etwas höher im zentralen Bereich der Schulter, einrichten können.

Morgen sollten dann auch die beiden Kasachen Maxut Zhumayev und Vassily Pivtsov sowie deren russischer Freund Serguey Bogomolov über den Abruzzen-Grat auf der Schulter ankommen. Mit ihnen hat sich Gerlinde abgesprochen evtl. gemeinsam in Richtung Gipfel am Dienstag aufzusteigen.

Auch der Ecuadorianer Santiago Quinterro sei heute im Lager III des Abruzzen-Grats angekommen – und hat wohl Fabrizio über Funk mitgeteilt, dass die Schneeverhältnisse in Richtung Lager IV ähnlich schlecht seien wie beim letzten Versuch, als alle im tiefen und gefährlichen Schwimmschnee stecken geblieben waren. Es wird also sehr spannend, ob dieses Mal mehr Leute auf der Schulter des K2 für einen gemeinsamen Gipfelversuch werden zusammen kommen können.

Soviel für heute! Sobald ich morgen Neuigkeiten von Gerlinde habe, werde ich mich wieder melden.

Beste Grüße und noch einen schönen Sonntag,

Ralf Dujmovits

Update 3  |  3. August

Liebe Freunde und Bekannte,

 

um 15:15 Uhr pak. Ortszeit konnte Gerlinde den Beginn der Schulter des K2 erreichen. Sie hat sich - nachdem sie bis auf 100 Meter den Aufstieg von Lager III zur Schulter alleine gespurt hat - etwas ausgepumpt aber auch sehr euphorisch angehört. Gerade als wir zum Ende unseres Gesprächs kamen haben die Wolken aufgerissen und sie hatte freien Blick über weite Teile des Karakorum!!! "So wunderschön" meinte Gerlinde begeistert. Der Wind im Gipfelbereich bläst stark aus westlich bis nordwestlicher Richtung und damit ist Gerlinde im Bereich der nach SSE-exponierten Cesen-Route etwas geschützt. "Es war sehr anstrengend, werde jetzt ein wenig Pause machen und viel trinken und dann noch ein Stück die Schulter hinaufsteigen" plant Gerlinde zuversichtlich.

Gegen 6:30 Uhr heute morgen war Gerlinde gemeinsam mit Fabrizio vom Platz von Lager III gestartet. Zunächst hatte sie oberhalb von Lager III noch 100 m Fixseil für den Abstieg angebracht - während dieser 100 m spurte Fabrizio. Gerlinde fand beim weiteren alleinigen Spuren teilweise knietiefe Treibschneeansammlungen vor. Beim stark felsdurchsetzten, steilen Aufstieg zur Schulter sind neben längeren reinen Felspassagen auch immer wieder kleinere Absätze und Bänder mit Schnee und Eis eingelagert. Dort muss die Spurarbeit im Triebschnee teilweise sehr anstrengend gewesen sein. 
 
Gerlinde wird jetzt noch ca. eine Stunde weiter über den letzten Biwakplatz vor einer Woche hinaus die Schulter aufsteigen um einen guten Ausgangspunkt in der kommenden Nacht für den Gipfelaufstieg zu haben. Sobald sie sich in ihrem Zelt eingerichtet hat, möchte sie sich nochmals kurz melden.

 

Entgegen anders lautenden Meldungen auf den Web-Seiten von Ex-Web oder Gerfried Göschl sind auf der Cesen Route nur Gerlinde sowie Fabrizio mit ein paar wenigen Teilnehmern seiner kommerziellen Expedition unterwegs. Alle anderen K2-Aspiranten sind auf dem Abruzzen-Grat im Aufstieg. Während einige heute versuchen die Schulter zu erreichen, wollen andere Bergsteiger um Gerfried und Christian Stangl morgen früh in den Spuren der heute Aufsteigenden von Lager III aus nachkommen.

 

Soviel zunächst, - sobald ich Neuigkeiten von Gerlinde habe, melde ich mich wieder.

 

Einen herzlichen Gruß,
Ralf Dujmovits

Update 4  |  3. August

Nach langem, spannenden Warten hat sich gerade eben Gerlinde wieder gemeldet: Sie hatte in den vergangenen Stunden die Schulter im teilweise tiefen Triebschnee hinaufgespurt, den eigentlichen Platz von Lager IV in der Mitte der Schulter erreicht, dort Maxut, Vassily und Serguey (s.u.) angetroffen die vom Abruzzengrat heraufgespurt hatten, ihr Zelt aufgebaut und begonnen Schnee zu schmelzen. Als 1 1/2 Stunden später auch Fabrizio ankam, half sie diesem noch eine Plattform auszuschaufeln und sein Zelt aufzubauen.
Jetzt sitzt Gerlinde guter Dinge in ihrem Zelt und trinkt, und schmilzt Schnee, und trinkt .... so viel es geht.
 
Im Aufstieg zum Lagerplatz hatte Gerlinde zwischen Schulter und Biwakplatz teilweise sehr schlechte bis gar keine Sicht. Glücklicherweise riss gegen später der Nebel aber auf, so dass sie letztlich den Biwakplatz der Kasachen fand. Maxut und Vassily (beide wie Gerlinde 12 8000er) kennt Gerlinde vom Nanga Parbat, wo sie vom kasachischen Team den Spitznamen "Cinderella Caterpillar" bekam. Der immer freundliche und unglaublich leistungsstarke Maxut und sein Freund Vassily waren auch parallel zu uns im vergangen Frühjahr am Lhotse unterwegs, leider ohne Erfolg. Gemeinsam werden sie Morgen früh um 00:00 Uhr in Richtung Gipfel starten.
 
Gerlinde ist wirklich guter Dinge für den morgigen Tag - die äußeren Bedingungen sind prima, trotz aller Anstrengung ist sie dankbar, dass ihre Kondition gut passt, die kasachischen Freunde werden ihren Teil zum guten Gelingen beitragen. Und so können wir für morgen nur fleißig alle Daumen drücken, dass Gerlinde wieder gut und gesund zurück kommt! Allen, die sie geistig unterstützen möchte sie danken und grüßt alle ganz lieb von der Schulter des K2.
 
In spannender Erwartung einer schlaflosen Nacht,
Ralf Dujmovits

Update 5  |  4. August - 09:00 Uhr MEZ

Nach einer spannenden Nacht kann ich leider immer noch keine Nachrichten von Gerlinde vermelden. Anscheinend ist oder war es wohl anstrengender und schwieriger als erwartet unter dem großen, überhängenden Serac nach links in weniger anspruchsvolles Gelände hinauszuqueren.
 
Laut den Informationen von Gerfried Göschl's Homepage befinden sich ca. 9 Bergsteiger am Ende der Bottleneck-Traverse auf ca. 8250m befinden. Unter ihnen auch Gerlinde. Die Bergsteiger kämen nur sehr langsam voran. Sepp Bachmair hätte wohl umkehren müssen, nach unbestätigten Angaben von Everestnews auch Fabrizio Zangrilli und zwei seiner Kollegen.
 
Ich hoffe, gegen später mit Gerlinde reden zu können und würde in diesem Fall über die Neuigkeiten gleich informieren.
 
Beste Grüße,
Ralf Dujmovits

Update 6  |  4. August - 11:00 Uhr MEZ

Vor wenigen Minuten hat sich Gerlinde gemeldet - von knapp oberhalb der Unterquerung des großen Seracs (ca. 8300 m). Gemeinsam mit dem Kasachen Vassily Pivtsov sowie einem amerikanischen Bergsteiger versucht sie derzeit im brusthohen Schwimmschnee noch vorwärts zu kommen. Es muss unglaublich anstrengend und schwierig - gleichzeitig sicher auch sehr gefährlich - sein. Die vier wollen versuchen ein Stück weit zu queren um evtl. noch bessere Schneeverhältnisse vorzufinden. Nachdem die Uhrzeit schon wieder sehr fortgeschritten ist (15:00 Uhr pak. Ortszeit) wird es natürlich auch zeitlich wieder sehr knapp. Ich habe Gerlinde deshalb eher in Richtung Umkehr versucht zu motivieren.

 

 

Derzeit sind die Kasachen/Russen am Überlegen evtl. morgen nochmals einen Versuch zu unternehmen, was aus meiner Sicht mit der langen Aufenthaltsdauer auf über 8000 m sehr gefährlich ist.

 

 

Alle anderen zunächst mit aufsteigenden Bergsteiger darunter Gerfried Göschl und Christian Stangl aus Österreich sind bereits im Abstieg.

 

 

 

Ich wünsche Gerlinde von hier aus eine gute Entscheidung.

 

Sobald ich wieder Neuigkeiten von ihr habe melde ich mich wieder.

 

 

 

Mit äußerst angespannten Grüßen,

 

Ralf Dujmovits

 

Update 7  |  4. August - 12:30 Uhr MEZ

Leider hat es wieder nicht sollen sein! Gerlinde ist im Abstieg.

 

Letztlich war sie gemeinsam mit den beiden Kasachen und dem Russen im brusttiefen Schnee stecken geblieben und nicht mehr vorwärts gekommen. Die fortgeschrittene Zeit hat sein Übriges dazu gegeben und so mussten die vier letztlich bei schönstem Wetter den Abstieg antreten. Um kurz nach 16:00 Uhr Ortszeit hat sich Gerlinde nochmals gemeldet: äußerst angestrengt, etwas traurig und gleichzeitig glücklich über diesen wunderschönen, von Dr. Karl Gabl in Innsbruck perfekt vorher gesagten Tag. Alle haben ihr bestes gegeben, die Natur war und ist einfach stärker gewesen und das muss man akzeptieren können. Es soll wohl dieses Jahr mit einer Besteigung einfach nicht sein.
 
Schon während des Aufstieg durch den Flaschenhals war links der Bergsteiger ein Eisstück des überhängenden Seracs abgebrochen, krachend in die Tiefe gestürzt und hatte alle heftig verschreckt. In der Querung nach links wurde der Triebschnee dann immer tiefer und letztlich hat hinzukommender Schwimmschnee das Vorwärtskommen verunmöglicht.
 
Die beiden Kasachen haben Gerlinde zu Beginn des Abstiegs gefragt, ob sie nicht noch mal auf der Schulter (auf fast 8000m) übernachten möchte und morgen mit ihnen einen weiteren Aufstiegsversuch unternehmen möchte, - was aber Gerlinde vernünftigerweise abgelehnt hat. Nachdem sie Ende Mai auf dem Lhotse stand, jetzt zwei mal auf ca. 8300 m war, wäre die Chance sich mit dem stark eingedickten Blut evtl. eine Thrombose oder gar Schlimmeres einzuhandeln einfach zu groß.
 
Im Laufe des Nachmittags wird Gerlinde noch ein Stück weit über die Cesen-Route alleine absteigen und evtl. am Platz von Lager III oder Lager II übernachten. Ich habe sie gebeten, kein unnötiges Risiko in Kauf zu nehmen und tatsächlich vor dem letzten Abstieg nochmals auszurasten.
 
Sobald mich Gerlinde vom Abstieg an sicherer Stelle per Satelliten-Telefon erreicht,
werde ich hier nochmals einige Zeilen vermerken.
 
Zunächst wieder beste, etwas entspanntere Grüße,
Ralf Dujmovits

Update 8  |  4. August - 16:45 Uhr MEZ

Nur eine kurze Zwischenmeldung: Gerlinde hat sich gerade aus Lager II auf 6350 m gemeldet bevor sich der Akku ihres Satelliten-Telefons verabschiedet hat. Sie ist gut auf 6350 m angekommen, wird jetzt eine Pause einlegen und dann evtl. noch ganz ins Basislager absteigen.
 
Einen herzlichen Gruß und einen schönen Abend,
Ralf Dujmovits

Update 9  |  4. August - 23:00 Uhr MEZ

Ende gut, alles gut!

 

 

 

Gerlinde ist um kurz vor 24:00 Uhr pak. Ortszeit gut im Basislager angekommen.

 

Ihr Heimat-Team freut sich sehr, dass sie gut zurück ist. Sie wird sich morgen melden.

 

 

 

Beste Grüße,

 

Kathrin Furtner und Ralf Dujmovits